Sonntag, 11. Januar 2009

Grünes Dilemma

Michael Fleischhacker in der Wochenendausgabe der Presse hat es auf den Punkt gebracht, die Grünen vergeigen es sich immer selber. Da spielt ihnen die Weltpolitik und Weltwirtschaft einmal in die Hände, und was folgt. Neben dürren Presseaussendungen zu einem New Green Deal die Skandalmeldung: die Mitarbeiter des 3. NR-Präsidenten haben bei einem rechten Verlag eingekauft. Nicht, dass das in Ordnung wäre. Es ist sogar schwer in Unordnung. Nur, Grafs Persönlichkeit und die seines Umfeldes war allen, die es wissen wollten, längst bekannt. Daher kommt die Enthüllung von Karl Öllinger etwas spät oder sie wurde bewußt mit Kalkül nun gesetzt. Der Schuss ging allerdings nach hinten los. Die Präsidentin und sein anderer Kollege verloren nach der Pflichterklärung von Graf ("Nazidreck" pfui, pfui) die weitere Lust an der Sache und Öllinger darf sich nun für die Vergangenheit seines Mitarbeiters rechtfertigen. Das mag zwar die Solidarität unter den Grünen und Antifreiheitlichen stärken, professionell ist es aber nicht. Professionell wäre es, wenn die Grünen nun mit einer Stimme ihre Rezepte und Mittel gegen die Wirtschaftskrise trommeln würden. Statt dessen müht sich die künftige Bundesvorsitzende heute im Interviem im Ö1-Mittagsjournal damit da, die Grünen als ernstzunehmende politische Kraft wieder ins rechte Licht zu rücken. Ob sie das so schaffen wird, bleibt dahingestellt. Für den Bundeskongress nächstes Wochenende dürfte die Solidarität untereinander damit jedenfalls wieder gesichert sein. Dass Graf für den Verwaltungsunsinn der angeblich abgeschafften Studienbeiträge mitverantwortlich ist, ist war dem Abgeordneten Öllingen damals (24.9.08) jedenfalls noch keine Distanzierung von Graf und dessen Gesinnung wert.
Fleischhacker überzieht seinen Kommentar aber dort, wo er Haider reinzuwaschen versucht. Es war schon dieser selber, der immer wieder durch eindeutige Sager das rechte Eck suchte. Nun den Haidergegnern alle Verantwortung für das Stimmenwachstum der FPÖ in die Schuhe zu schieben, ist billig. Da klingt wohl Wehmut mit, was möglich geworden wäre, wenn sich Haider nicht selber ins Jenseits befördert hätte. Fleischhacker hat sich ja mehrfach für neue Koalitionen mit Haider ausgesprochen.

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