Das Diktat der Meinungs-Gemeinschaften

Am Beginn des Krieges im Nahen Osten schickte mir ein Bekannter per E-Mail Aufnahmen aus dem Gaza-Streifen, die zerstörte Gebäude und verstörte Menschen zeigen. Sein Kommentar dazu, nicht länger schweigen, sondern die Bilder weiterverbreiten, um das Elend der Palästinenser zu stoppen. Ich habe die Bilder umgehend gelöscht, wie auch schon zuvor. Warum? Im heutigen Standard liefert Robert Misik eine Typologie der "Meinungs-Gemeinschaften" zur Nahost-Thematik. Demnach zählt mein Bekannter zur Gruppe der "Friedensfeunde", in diesem Fall "Sektion B: die etwas härteren Antiimperialisten, für die ohnehin alles schlecht ist, was Israel oder die USA tun". Fallweise gehörte er auch schon zur Sektion A: den "maßvollen Kritiker[n] an Israels 'unverhältnismäßigem Vorgehen'". Eigentlich nie habe ich von ihm bisher Bilder geschicht bekommen, die Israelis als Opfer von Attentaten zeigen, die palästinensische oder islamistische Gruppen verübten.
Es fragt sich, zu welcher Gruppe man selber gehört? Auch dafür liefert Misik eine Antwort: "Ich will nicht mit antimuslimischen Ideologen gemeinsam für diesen Krieg, und ich will nicht mit antiisraelischen und antisemitischen Herumdrucksern gemeinsam gegen diesen Krieg sein."

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