Sonderstatus

Irgendwann in den 1990er Jahren. Wir, das sind einige Kolleginnen und Kollegen und Studierende des Innsbrucker Zeitgeschichteinstituts, sitzen im Gastgarten eines vielbesuchten Gasthauses in der Nähe der Universität. Mitten unter uns Ari Rath, ehemaliger Chefredakteur und Herausgeber der Jerusalem Post. Rath ist interessiert zu hören, was wir über Israel berichten. Wir waren gerade dort, auf einer Institutsexkursion. Die Schilderungen überwerfen sich. Alle sind noch fresh packed with impressions. Irgendwann melde ich mich in der Runde. Israel sei spannend auf einem tollem Weg, meine ich, aber wieso kann sich Israel nicht auch "normalen" Themen widmen, wie etwa dem Umweltschutz. Ari schaut mich tief an. Ich ringe nach erklärenden Worten. Meine Argumente scheinen ihn aber nicht zu überzeugen. Irgendwann meint er, ich gehöre eben einer anderen Generation an. Das müsse er mir zugestehen, aber ich hätte, wenn ich das so sehe, keine Ahnung von der Situation dort. Ich fühlte mich verkannt. Ich wollte doch nicht gegen Israel sprechen, sondern vielmehr dessen Normalität einfordern. Heute weiß ich, dass ich damit falsch lag. Der Status dieses Landes, wird gerade wieder in Frage gestellt. Von Menschen, die die Juden noch immer am liebsten ins Meer treiben wollen. Und diese Menschen erhalten auch Sympathie dafür. Weil sie sich als Opfer Israels sehen. Diesen Sonderstatus Israels infrage zu stellen, ist aber politisch nicht korrekt. Darauf hat Isolde Charim heute im Kommentar der Anderen im Standard hingewiesen: "Israel kritisieren - aber richtig". Ich habe es damals nicht richtig gemacht. Das ist mir aber erst wieder in diesen Tagen bewußt geworden.
Anton Kurt - Do, 17. Aug, 09:20

... Mensch ...

In diesem Konflikt ist der Ausdruck von Wünschen, wie Umweltschutz, möglich. Aber sofort wird spürbar, dass es nicht werden will. Nicht wird. So werden Dinge gemacht, die niemand will. Was niemand - für sich - will, erscheint konstruktiv. Aus dem Anderen destruktiv.
Der Sonderstatus in einem Konflikt ist erreicht, wenn man nicht mehr ausweichen kann.
Ich Christ, du Jude, du Muslim, der ganze Alltag ein Abtasten und Fragen, ein Abfragen aus allem, ein Infragegestelltsein, und auch Festgelegtsein, ein nicht aus können.
Frech ging ich in den 80igern allein durch die engen Straßen von Ostjerusalem, geriet in die Abenddämmerung, und kleine muslimische Buben umkreisten mich, und bewarfen mich aus allen Richtungen mit brennenden Christbaumspritzern. Ist es Spaß? Ja. Ernst? Ja. Flucht? Ja. Angst? Ja. Wut? Ja. Hass? Ja.

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