Verschwörungstheorien

Schade, dass auch Linke nicht vor Verschwörungstheorien gefeit sind. Der Autor, Journalist und ehemalige PDS-Abgeordnete Winfried Wolf griff zu einigen solcher Theorien, um sein neues, voluminöses Buch "Verkehr - Umwelt - Klima" zu präsentieren. Wieder einmal sind die USA an allem Schuld (an der Beschleunigung, an der Verdrängung der Eisenbahn, an der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen etc.) und auf europäischer Ebene der European Round Table, ein Zusammenschluss europäischer Industrieller, der angeblich die Untertunnelung der Alpen aufs Tapet gebracht hat. Dass solche Pläne schon seit über 70 Jahren existieren, ist dem Diplompolitologen leider entgangen. Nicht, dass solches Lobbyismus gering geschätzt werden darf, aber damit die alte These von der Unterwanderung durch das Kapital wieder aufzuwärmen, ist zu banal. Nur am Rande, in seiner letzten von acht Thesen, erwähnte Wolf die Mobilität als eine der Triebfedern des modernen Verkehrsaufkommens. Wir wollen mobil sein und das möglichst individuell. Die staatliche Eisenbahn scheint da ins Hintertreffen zu geraten. Neue Verkehrskonzepte sind gefordert. Richtig ist sein Hinweis auf die "Unwirtlichkeit der Städte (A. Mitscherlich). Sein Beispiel Venedig als autolose Stadt ist allerdings putzig. Wer kann es sich dort noch leisten, zu wohnen? Die Tendenz allerdings stimmt, wenn wir Freizeitverkehre vermeiden, hätten wir schon viel an Mobilität gewonnen.

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