Ruhestand

Gestern wurde eine für die Uni ganz wichtige Persönlichkeit in den Ruhestand verabschiedet. Wie bei all solchen Ereignissen war es eine Mischung aus Dankbarkeit und Wehmut. Einer der Laudatoren hat es mit einer Trauerveranstaltung verglichen (spielt die Musik, gibt es was zu Essen, trauern manche wirklich und manche tun nur so und freuen sich heimlich etc.). Was mir ein wenig gefehlt hat und gerade weil ich B. Rathmayr so schätze, angebracht gewesen wäre, war doch auch die (Selbst-)Kritik. Mag sein, dass so ein Anlass nur schwer Platz für kritische Worte lässt, aber so überwog die Nostalgie der "Kellerkinder" und der glorreichen vergangenen Zeiten. Das mag für absolute Insider geldet, für partielle Weggefährten ist die Sicht doch auch eine etwas andere. Ich war in den 1980er Jahren eifriger und begeisterter Besucher von Bernhards Lehrveranstaltungen. Er praktizierte damals eine Art von Alltagsethnologie, die ich für mein Studium der Europäischen Ethnologie angemessen empfand. Später wurde daraus u.a. die seine Form der kritisch-historischen Anthropoligie und ich habe es damals, inzwischen an die Geschichte gewandert, sehr bedauert, dass es eigentlich keinen Austausch zwischen unseren Disziplinen gab. Als ich seinem Buch "Die Rückkehr der Gewalt" eine kritische Rezension widmete, entstand daraus eine für mich unschöne Geschichte. Der Meister wollte meine Kritik nicht verstehen oder nicht gelten lassen. Jedenfalls erwirkte er in der Zeitschrift, die mich zur Besprechung eingeladen hatte, eine Entgegnung, ohne dass ich davon informiert wurde und darauf erwidern konnte. So blieb ein schaler Eindruck zurück. Da es aber der einzige ist, den ich mitnehme, will ich diesen auch nicht überbewerten. Von Bernhard habe ich bei weitem mehr gelernt, auch in dem, was mich gestört hat, als von so vielen anderen. Wie es eine Studentin gesagt hat: er hat uns Denken gelernt. Dafür ein Danke!

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