Warum Sudelbuch?

In den "Sudelbüchern" - auch "Schmier-" oder "Gedankenbücher" genannt - notierte Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) seine seine Gedanken, Einfälle, Überlegungen und Kurzfragmente. Dieses Sudelbuch enthält ebenfalls Tagesaktuelles. Aufgelesen in meinem Beruf, meiner akademischen Tätigkeit sowie bei der täglichen Medienlektüre.

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Ehrendoktorat für Ernst von Glasersfeld

Ernst von Glasersfeld erhält am Donnerstag dieser Woche das Ehrendoktorat der Leopold Franzens Universität Innsbruck. Es ist sein 2. in Österreich (das erste erhielt er von der Universität Klagenfurt). Von Glasersfeld hat nie in Innsbruck studiert. Er wurde 1917 in München geboren, studierte Mathematik in Zürich und Wien und wirkte ab 1947 in Südtirol als Journalist und kommt bei Silvio Cecatto mit der Kybernetik in Kontakt. Schon zuvor hatte er sich mit Giambatista Vico beschäftigt. Eigenartig. Mein erster akademischer Lehrer, ansonsten kein großer Kopf, hatte uns auch die Ideen Vicos näher gebracht. Er tat dies in Abgrenzung zu Karl Marx. Es ging ihm um eine Wissenschaft des Volkes. Damals (1982/83) wußte ich aber noch nichts von Glasersfeld und dem Konstruktivismus. Beide lernte ich erst Jahre später kennen. Da war von Glasersfeld in Innsbruck und hielt einen Vortrag über den radikalen Konstruktivismus. Dabei erfand er diesen und sich selbst vor seinem Publikum neu. Ähnlich seinem Kollegen Heinz von Foerster. Vor über zehn Jahren (1997) versuchte die Redaktion der Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften den Konstruktivismus und die Geschichtswissenschaften zusammenzuführen. Der Schlüsseltext dazu "Im Goldenen Hecht" (ein Gespräch mit Heinz von Foerster) ist immer noch lesenswert (ÖZG 8/1997/1). In diesem Heft findet sich auch ein Beitrag von Glasersfelds, eine Kleine Geschichte des Konstruktivismus.
Ad multos annos.

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