Warum Sudelbuch?

In den "Sudelbüchern" - auch "Schmier-" oder "Gedankenbücher" genannt - notierte Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) seine seine Gedanken, Einfälle, Überlegungen und Kurzfragmente. Dieses Sudelbuch enthält ebenfalls Tagesaktuelles. Aufgelesen in meinem Beruf, meiner akademischen Tätigkeit sowie bei der täglichen Medienlektüre.

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Musik

Samstag, 29. März 2008

Plattenrudi

Der Blick in die Zeitung ist manchmal mit unangenehmen Überraschungen verbunden. Vor einigen Tagen mußte ich der Zeitung entnehmen, dass der Plattenrudi verstorben ist. Offenbar unerwartet im 52. Lebensjahr. Ich kannte Rudi seit über 30 Jahren. Bereits in meiner Schulzeit fuhr ich immer in die Landeshauptstadt, um seinen Laden aufzusuchen. Der war klein, aber fein sortiert. Damals gabe es nur Vinylplatten. Er machte mich mit so manchem Künstler, so mancher Musikrichtung bekannt. Ich erinnere mich noch, als ich 1982 nach bestandener Matura nach Innsbruck pilgerte, um mich mit einigen Plattenkäufen zu belohnen. So wie zuvor, als ich 1977 mein erstes Geld bei einem Ferialjob bei der Post verdiente und am Ende meiner Tätigkeit nach Innsbruck fuhr, um mich auch mit Schallplatten einzudecken. Auch nach dem Umzug des Geschäftes an den Sparkassenplatz blieb ich dem Rudi treu. Zuletzt aber fand ich kaum mehr Zeit, den Laden aufzusuchen. Schade. So muss ich Abschied von Rudi nehmen, ohne mich mit ihm über das letzte Neil Young-Konzert in Wien ausgetauscht zu haben.
R.I.P.

Sonntag, 24. Februar 2008

Weltstadt

Nicht nur Innsbruck sieht sich gerne als Weltstadt, auch die Bundeshauptstadt Wien umgibt sich mit dem Flair. Wie eine Weltstadt in der Provinz funktioniert konnten alle, die dabei waren, am Freitag nach dem wunderbaren Neil Young-Konzert erleben. Nicht nur, dass das Konzert im Austria Center in der Uno-City stattfand (noch dazu bestuhlt, das hielten die Fans aber nur bis Hey Hey, My My (Rust never sleeps) aus, um dann das Vorfeld der Bühne zu stürmen. Youngs Anmerkung, ob des Getanzes würde die Bühne verdächtig schwanken, sodass den Veranstalter bange um das Haus würde, störte offensichtlich niemand, ihn eingeschlossen nicht. Die Verantwortlichen sahen offenbar weg.), nach Konzertende gegen 0:15 Uhr (Young Konzerte gehen nie unter 2,5 Stunden ab, das sollte eigentlich allgemein bekannt sein) wurden die tausenden Fans ins Nichts entlassen. Die letzte U-Bahn stadteinwärts war gerade gefahren (was für ein Hohn, dass das Ticket zur Benutzung der Wiener Linien berechtigte). Nachbusse gab es auch nicht (zumindest nicht vor dem Austria Center), vorbeifahrende Busse wurden auf offener Straße angehalten und gekapert. Taxis waren anfangs auch nicht zu sehen und dann brausten sie an einem vorbei, als ob es wo anders bessere Fuhren gab (dabei standen - wie gesagt - tausende vor der Türe). Ein Strom von Menschen zog über die Reichsbrücke (die diesmal stand hielt) Richtung Praterstern. 15 Euro für die Rückfahrt, aber um 1:30 Uhr waren wir endlich zuhause und hatten immer noch ein wunderbares Set im Ohr. Mehr von und über Neil Young in einem Interview in der Frankfurter Rundschau hier.

Dienstag, 25. Dezember 2007

Abschied II

Am Abend des 24. Dezember verstarb 82-jährig Oscar Peterson. Ich habe sein wunderbares Klavierspiel sehr gemocht. Vor allem in seinen Triobesetzungen. Einige Platten besitze ich davon: Night Train (1962) oder Nigerian Marketplace (1982). Auch seine Zusammenarbeit mit Ella Fitzgerald höre ich mir immer wieder gerne an. Etwa Ella and Oscar (1976). Oder seine wunderschöne Porgy & Bess Einspielung mit Joe Pass (1976). Peterson spielt hier am Clavichord. Hörenswert auch sein Duo mit Jon Faddis an der Trompete (1975).

Montag, 19. November 2007

Zum wiederholten Male

Ich habe es hier schon mehrfach mitgeteilt. Soap & Skin ist absolut hörenswert. Nun sind bereits vier Stücke auf ihrer Homepage hörbar. Die CD läßt leider noch auf sich warten. Aber es lohnt sich. Wer hineinhören will, hier sind die Stücke abrufbar.

Sonntag, 18. November 2007

Bert Breit (1927 - 2004)

Der Tiroler Künstler Bert Breit wäre heuer 80 Jahre alt geworden. Im zu Ehren sind zwei Tage in Absam, seinem Wohnort gewidmet. Während gestern seine Gebrauchsmusik (Filmmusik, Musik für Hörspiele und Kennmelodien wie der Schalldämpfer) im Mittelpunkt standen und vieles davon das erste Mal live aufgeführt wurde (meine persönlichen Favoriten sind die mit Märchenmusik betitelten Stücke, Nuevertonungen bekannter Kinderlieder) werden heute seine größeren Arbeiten gewürdigt: ein Film über Jakob Stainer, den Absamer Geigenbauer, ein Radiofeature über eine "rote" Gemeindepolitikertin (Die rote Landa) sowie seine Musik zum Film Heidenlöcher (Regie: Wolfram Paulus). Altbischof Stecher stellte ihn in seiner Laudatio gestern bei der Eröffnung der Hommage mit Recht in den Rang eines Genies, auch wenn Breit solch eine Würdigung sicher abgelehnt hätte.

Donnerstag, 16. August 2007

Elvis

Vor 30 Jahren verstarb Elvis. Damals war unsere Familie das erste Mal auf Urlaub, an der oberen Adria. Wir hatten ein Appartment gemietet und ich hatte ein Kofferradio mitgenommen. Irgendwie war es mir gelungen, einen deutschsprachigen Sender hereinzubekommen und da hörten wir die Meldung: "Elvis ist tot". Der King war in seinem Haus in Memphis verstorben. Über die näheren Umstände hörten wir damals nichts. Elvis war stets ein musikalischer Begleiter in unserer Familie gewesen. Meine Mutter hatte Elvis-Platten, leider keine originalen, sondern spätere Kompilationen, aber der "Goldene Elvis" war darunter. Für meinen Onkel, selber Musiker, war Elvis Idol und wenn er gut d'rauf war, sang er uns ein paar alte Elvis-Nummern. Vor allem die langsamen (Love me tender etwa), worauf ich damals gar nicht so stand. 1991 bin ich dann in Graceland gewesen und in den Sun-Studios, wo die ersten Aufnahmen von Elvis entstanden sind.

Sonntag, 3. Juni 2007

Wayfaring Stranger

Es gibt Lieder, die erzeugen eine Gänsehaut. Wayfaring Stranger ist so eines. Dieses us-amerikanische Traditionell wurde von zahlreichen Künstler/innen interpretiert, u.a. von
Joan Baez auf David's Album (1969) als Poor Wayfaring Stranger
Emmylou Harris auf Roses in the Snow (1980)
Eva Cassidy auf Songbird (1998)
Selah auf Be Still My Soul (1999)
Johnny Cash auf American 3-Solitary Man (2000)
16 Horsepowers auf Secret South (200) sowie zuletzt
Natalie Merchant auf The House Carpenter's Daughter (2004) und
Giant Sand auf Cover Magazine (2004.)
Es gibt aber noch zahlreiche weitere Versionen, etwa die von Roger McGuinn, die hier als mp3 zu hören ist.
Das Lied lebt vor allem durch seinen Text. Ein klassisches Hobo-Lied, eines heimatlosen Wanderes. Aber auch ein Trauerlied, denn über den Jordan gehen, heißt sterben. Der Text ist in Varianten überliefert. Hier die Fassung von Roger McGuinn bzw. Eva Cassidy.
Weitere hörenswerte Versionen des Liedes finden sich auf YouTube, etwa von Jamie Woon oder von Jack White. Exaltiert ist die Version von J.D. Sumner & the Stamps Quartet (1967), nicht nur in der Interpretation, sondern auch in der Gestik der Sänger. Eine klassische Version trägt Jack Marti vor.

Samstag, 2. Juni 2007

Woven Hand in der Szene Wien

DEE Die Nachfolgeband des einstigen 16 Horsepower Masterminds, David Eugene Edwards (DEE), Woven Hand, gastierte am 31. Mai in Wien in der Szene. Um es gleich vorwegzunehmen, das Konzert war famos. So hart, so treibend und straight klingt die Gruppe nur live. Vor allem der Schlagwerker, Ordy Garrison, Mitglied von Slim Cessna's Auto Club, Ordy-Garrison hatte es mir angetan. Was er an den Abend geleistet hatte, läßt sich kaum beschreiben. Sein exaktes und kompromißloses Spiel, gab dem Sound das nötige Unterfutter. Dabei drosch er nicht einfach darauf los, sondern beeindruckte mit einer Vielfalt von Klängen und Tönen. Am Bass wiederum Pascal Humbert, der schon bei 16 Horsepower dabei war und an der zweiten Gitarre der junge Belgier Peter van Laerhoven. An diesem Abend spielten sie vor allem Stücke ihre beiden letzten Alben Consider the Birds und Mosaic. Am besten ansehen, anhören und mittanzen. Heute in Prag und dann irgendwo auf dieser Welt. Hoffentlich bald wieder in Österreich.

Sonntag, 22. April 2007

Gustav im Rhiz (20.4.2007)

Letzten Freitag Abend spielte Eva Jantschitz, alias Gustav, ein Konzert im Wiener Rhiz. Sie probierte neue Nummern aus, die formidabel klangen. Als Höhepunkt gab es eine Coverversion von Will Oldham. Dass die doch recht alternative gestylte Crowd den Songtitel nicht kannte (es war Hard Life von Olhhams 2003er Album "Master and Everyone") spricht nicht für sie, auch dass niemand vier Namen aufzählen konnte, unter denen Oldham auftritt (Bonny 'Prince' Billy, Palace Brothers, Palace Music, The Anomoanon). Doch das tat dem Auftritt nichts an. Eine kleine Sequenz des Oldham-Stückes findet sich hier.

Sonntag, 25. März 2007

Neil Young

Das Warten hat sich gelohnt. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten ist die vor Weihnachten bestellte CD-Lieferung erst vor wenigen Tagen bei mir eingetroffen. Zwei CDs möchte ich hervorheben. Beide von Neil Young. Beide inerhalb eines Jahres aufgenommen. Beide bis vor kurzem nicht veröffentlich (ev. als Bootleg, aber die Qualität!). Zunächst
Neil Young and Crazy Horse at the Fillmore East (NYC), 1970, und dann
Neil Young (solo) at Massey Hall (Toronto), 1971.
Beide Aufnahmen könnten unterschiedlicher nicht sein. In Canada ein verunsicherter Young, der fühlt, dass eine Zeit abgeschlossen ist (die mit CSY bei Bullfalo Springfield). Nur mit Gitarre und Klavier spielt er bekannte Stücke (Cowgirl in the Sand, Down by the River etc.) und neues, noch nicht bekanntes Material, das erst auf seiner kommenden LP Harvest erscheinen wird: Man Needs A Maid/Heart Of Gold, The Needle And The Damage Done.
Während er mit Crazy Horse rock, was die Sau hält (die Stücke dauern mitunter über 16 min.), spielt er in Toronto reduziert, aber konzentriert wie selten zuvor und danach. Da stimmt jeder Riff, da paßt die Stimme. Wer vergleichen will, höhre nur Cowgirl in the Sand und Down by the River. Einmal in der kondensierten Form solo at Massey Hall und zum anderen at Fillmore East in der never ending version.
Heuer soll ja eine 8-CD-Box mit raren Aufnahmen von Neil Young erscheinen. Diese beiden CDs machen das Warten leicht, aber auch zugleich Gusto auf das, was da kommt.