Warum Sudelbuch?

In den "Sudelbüchern" - auch "Schmier-" oder "Gedankenbücher" genannt - notierte Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) seine seine Gedanken, Einfälle, Überlegungen und Kurzfragmente. Dieses Sudelbuch enthält ebenfalls Tagesaktuelles. Aufgelesen in meinem Beruf, meiner akademischen Tätigkeit sowie bei der täglichen Medienlektüre.

frühere Beiträge (Archiv)

Juli 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 

RSS Box

Konzertbesuchermode
Diese Fotogallerie der Süddeutschen hat besonders...
uliuli - Sa, 5. Jul, 12:28
Verbrecher oder Stütze der Gesellschaft?
Eigentlich wars ein unglücklicher Zufall. Ohne...
cc - Sa, 5. Jul, 11:06
Stream: Parenthetical Girls - Safe As Houses
Parenthetical Girls' Musik ist voller entwaffnend zarter...
uliuli - Sa, 5. Jul, 10:36

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 1119 Tagen
Zuletzt aktualisiert: Di, 1. Jul, 22:21

Web Counter-Modul

akademisches

Dienstag, 15. April 2008

Ehrendoktorat für Ernst von Glasersfeld

Ernst von Glasersfeld erhält am Donnerstag dieser Woche das Ehrendoktorat der Leopold Franzens Universität Innsbruck. Es ist sein 2. in Österreich (das erste erhielt er von der Universität Klagenfurt). Von Glasersfeld hat nie in Innsbruck studiert. Er wurde 1917 in München geboren, studierte Mathematik in Zürich und Wien und wirkte ab 1947 in Südtirol als Journalist und kommt bei Silvio Cecatto mit der Kybernetik in Kontakt. Schon zuvor hatte er sich mit Giambatista Vico beschäftigt. Eigenartig. Mein erster akademischer Lehrer, ansonsten kein großer Kopf, hatte uns auch die Ideen Vicos näher gebracht. Er tat dies in Abgrenzung zu Karl Marx. Es ging ihm um eine Wissenschaft des Volkes. Damals (1982/83) wußte ich aber noch nichts von Glasersfeld und dem Konstruktivismus. Beide lernte ich erst Jahre später kennen. Da war von Glasersfeld in Innsbruck und hielt einen Vortrag über den radikalen Konstruktivismus. Dabei erfand er diesen und sich selbst vor seinem Publikum neu. Ähnlich seinem Kollegen Heinz von Foerster. Vor über zehn Jahren (1997) versuchte die Redaktion der Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften den Konstruktivismus und die Geschichtswissenschaften zusammenzuführen. Der Schlüsseltext dazu "Im Goldenen Hecht" (ein Gespräch mit Heinz von Foerster) ist immer noch lesenswert (ÖZG 8/1997/1). In diesem Heft findet sich auch ein Beitrag von Glasersfelds, eine Kleine Geschichte des Konstruktivismus.
Ad multos annos.

Sonntag, 16. März 2008

Mein lieber Freund!

"an einen gerichtet, für alle gemeint: Lebe wohl und glücklich, so glücklich wie ich, dank meiner Gemütsart gelebt. Stirb, wenn es sein soll, so leicht und feudig wie ich!" (Gustav Bayer, 1879-1938)
Mehr dazu und warum Gustav Bayer drei Tage nach dem "Anschluss" seinem Leben ein Ende setzte, hier.

Freitag, 1. Februar 2008

Beim Wort genommen

„DIE WEITERENTWICKLUNG DER AUTONOMEN UNIVERSITÄT BEDARF ZU IHREM GELINGEN
EINES STARKEN UND HÖCHST KOMPETENTEN DUOS – REKTORAT, UNIVERSITÄTSRAT –, DIE
ÜBER DIE NOTWENDIGE MANAGEMENTERFAHRUNG VERFÜGEN MÜSSEN. DAHER SIND DIE
MITGLIEDER DES UNI-RATES NACH KLAREN, ANSPRUCHSVOLLEN KRITERIEN UND NICHT
NACH POLITISCHER BELIEBIGKEIT ZU WÄHLEN BZW. ZU BESETZEN. NUR DANN KÖNNEN SIE
IHRE STRATEGISCHE BERATUNGSFUNKTION IHRER UNIVERSITÄT ERFOLGREICH UND
VERANTWORTUNGSVOLL ERFÜLLEN."
DR. OSWALD MAYR
(GESCHÄFTSFÜHRENDER GESELLSCHAFTER MONTAVIT PHARMAZEUTISCHE FABRIK GMBH,
PRÄSIDENT DER INDUSTRIELLENVEREINIGUNG TIROL)

weiteres dazu in der neuen Studie der IV zu den Universitäten (Langfassung hier). Wir werden ja bald sehen, ob diese Worte in Erfüllung gehen.

Samstag, 19. Januar 2008

Hermann Denz (1949-2008)

Begräbnisse von Arbeitskollegen sind immer bewegend. Dieses besonders. Es traf eine Person, die ich zwar nicht so gut gekannt, dafür umso mehr geschätzt hatte. Hermann kannte ich seit Mitte der 1980er Jahre. Er unterrichtete damals am so genannten Quant-Kurs in Salzburg Statistik. Seine Souveränität im Umgang mit empirischen Daten habe ich immer bewundert. Er hat mich - unter anderem - gelehrt, dass statistische Methoden mehr sein können als "Fliegenbeinezählen", so der Vorwurf eines Rezensenten vor einigen Jahren zu empirischen Arbeiten in der Geschichte.
Vor einer Woche ist Hermann Denz verstorben. Am letzten Donnerstag war sein Begräbnis. Zu den berührendsten Momenten gehörten die Minuten, als seine Nichten in seinem Gedenken "Wish You Where Here" von Pink Floyd anstimmten.
Herrmann, dieses Lied wird ab sofort bei mir immer mit Deiner Person verbunden sein.
R.I.P.

Samstag, 12. Januar 2008

Kein Blick zurück

"Schlechtes Management von Veränderungsprozessen kostet Unternehmen Produktivität sowie Mitarbeiter[Innen]. Wird die Restrukturierung [...] unzulänglich begleitet, sinkt die Produktivität der betroffenen Mitarbeiter[Innen] um 23 Prozent, während die Zahl der Kündigungen um zehn Prozentpunkte ansteigt." - Kein Blick zurück in noch nicht so lange vergangene Zeiten. Dieses Ergebnis der letzten "Change-Management"-Studie gilt für jedes Management, das Führen will. Die Fehler des letzten Rektorates werden dadurch aber auch erklärbar(er).

Montag, 31. Dezember 2007

Abschied III

Das Jahr 2007 geht zu Ende. In der Regel die Zeit für Rückblicke und Ausblicke. Die Zeitungen und sonstigen Medien sind voll davon. Auch persönlich mag so mancher Rückblick und Ausblick halten. Auch ich habe die letzten Tage genutzt, Bilanz zu ziehen. Von einigen liebgewonnenen Gewohnheiten mußte ich mich trennen. Das Kapitel Politik scheint vorerst für mich abgeschlossen zu sein. Das schmerzt einerseits, denn 2008 ist ein Wahljahr, andererseits ist mein Ausstieg ein selbst gewählter und mit einer der Politik mindestens ebenso bürtigen Funktion verbunden. Was die Grünen betrifft, so erscheint mir ihre Zukunft ungewiss. Auf Landesebene kommt einiges auf sie zu. Die gesteckten Ziele erscheinen mir zu hoch gewählt. Woran sollen sie wirklich gemessen werden und was können sie erreichen? Die neulich in einer Zeitung konstatierte Stagnation auf hohem Niveau klingt fast schon wie eine vorausgeahnte Niederlage. Es wird letztendlich darauf ankommen, ob aus den internen Wahlen im Frühjahr ein Team hervorgeht. Die Themen liegen ja sprichwörtlich auf der Straße. Ob ihnen aber die Bevölkerung deren Bewältigung zutraut, wird sich weisen.
An der Universität mußte ich auch Abschied nehmen. Über 13 Jahre war ich dort in der Personalvertretung tätig. Nun habe ich quasi die Seiten gewechselt. Ein für manche gewagter Schritt. Nicht nur das Rektorat ist neu geworden. Hoffentlich auch die Einstellung. Reformen und Veränderungen sind notwendig und mögen mitunter nicht sogleich auf ungeteilte Zustimmung stoßen. Aber letztendlich sind sie nicht gegen die Mehrheit der Betroffenen zu erreichen. Hier einen neuen Weg zu gehen, ist die Herausforderung dieses Rektorates, denn daran ist das letzte letztendlich gescheitert. Daran wird dieses Rektorat vermutlich in vier Jahren gemessen werden. Bis dorthin ist es aber noch ein langer Weg. Zunächst erfolgt am 8. Jänner 2008 die Zwischenbilanz der ersten 100 Tage.

Dienstag, 4. Dezember 2007

Abschied

Gestern war ich neuerlich zu einer Abschiedsfeier geladen. Nicht so sehr als Vizerektor für Personal, viel mehr als Kollege. Es galt vier Persönlichkeiten zu verabschieden, die jeder auf seine Art die Universität in den letzten Jahren und Jahrzehnten mitgestaltet hatten. Als ein zu Ehrender sein Imatrikulationsjahr verriet, zuckte ich kurz zusammen. Es war das Jahr, in dem ich geboren wurde. Selber nun schon zum Mittelalter gehörend, wurde mir bewußt, wie lange die Generationsspange an Universitäten reicht. Auch was die Scheidenden aus ihrer Vergangenheit erzählten, muss für viele der Anwesenden fremd und wie aus einem fernen Land stammend geklungen haben: persönlicher Handschlag durch den Dekan bei der Aufnahme an der Universität, Einzelinskription einer jeden Lehrveranstaltung, Einzelbestätigung der Anwesenheit etc. usw. Das Resümee viel überwiegend schmerzhaft und negativ aus. Die heutige Universität können drei von vieren nicht mehr uneingeschränkt als die ihre betrachten. Zu sehr hat sie sich verändert, ohne dass dies ihnen plausibel und notwendig erschienen wäre. Ein einziger hat darauf hingewiesen, dass wohl auch Hoffnungen darin bestehen würden, etwas auch zum Positiven zu verändern.
In solch einer Veranstaltung zu sitzen, damit den Kollegen die Reverenz zum Abschied zu erweisen und doch auch hier in der Funktion eines Mitglieds des Rektorates zu sitzen, erscheint skizophren. Trifft mich persönlich die Kritik der Kollegen. Wohl nicht. Aber sie trifft mich doch darin, dass ich solche eine Funktion eingenommen habe und damit mitverantwortlich bin, dass das Werkl weiterrennt. Das ist kein Vorwurf, gibt mir aber zu denken. Wo ist die Grenze zum Mitläufer? Und gibt es solche?

Samstag, 1. Dezember 2007

50 Tage...

in der Position des Vizerektors für Personal sind vergangen. Wie viele noch vor mir sind, habe ich noch nicht ausgerechnet. 50 Tage sind die Hälfe der so genannten Schonfrist von 100 Tagen, die PolitikerInnen für gewöhnlich bekommen. In dieser Funktion geht das nicht. Schon vom ersten Tag an war und ist es ein 12 Stunden-Job (von 7.00 Uhr bis 19.00 Uhr mindestens, und meist darüber hinaus). Somit ist es eine 60-Stundenwoche, wobei hier nicht Abendveranstaltungen und gesellschaftliche Verpflichtungen miteingerechnet sind.
Was hält einem an, so viel zu arbeiten? Die Entlohnung? Wohl nicht. Sie liegt im Bereich von Politikereinkommen. Expolitiker verdienen wesentlich mehr.
Spannend und motivierend ist der Gestaltungsspielraum. Es können wirklich Entscheidungen getroffen und diese auch umgesetzt werden. Abwertend kann dies als Macht des Amtes angesehen werden. Nur, Entscheidungen sind nun mal mit Macht verbunden. Es geht um den Umgang mit dieser Macht. Für was setze ich sie ein und wann wird Macht zu Machtmißbrauch. Habe heute in einer Zeitung gelesen, Menschen würden Entscheidungen akzeptieren, wenn diese für sie nachvollziehbar sind. Genau das ist mein Verständnis von der Macht des Amtes. Transparende Entscheidungen zu treffen und diese zu kommunizieren. Kein Gemauschel, keine Tricks und Gefälligkeiten. Alles andere kann zu Machtmißbrauch führen.
Es ist mir nun auch klar, wie schwierig es ist, entscheiden zu wollen und dies nicht zu können. Das mag auch die Krux politischer Parteien in der Opposition sein. Sie würden gerne entscheiden und sind vielfach der Meinung, es besser zu wissen und zu können. Sie dürfen aber nicht entscheiden, weil sie in keiner Machtposition sind. Ein hartes Pflaster.

Sonntag, 25. November 2007

44 Tage

... in der Funktion als Vizerektor für Personal. Die üblichen 100 Tage (woher stammen die eigentlich?) hat es nicht gegeben. Derzeit ist nicht einmal die Hälfte davon vergangen. Trotzdem ist viel passiert. Die A-Projekte der nächsten Jahre sind definiert. Sie alle haben mit der Einführung des Kollektivvertrages an den Universitäten zu tun (Qualifizierungsvereinbarungen, leistungsgerechte Einstufung des allgemeinen Personals). Die Personalentwicklung als zentrales Instrument des Personalmanagements ist in all diese Prozesse einbezogen und bekommt einen neuen Stellenwert. Ein Stellenplan muss gemacht werden, der in einen Strukturplan mündet. Wie viele Stellen mit längerer Laufzeit soll es an der Universität geben? Und nach welchen Kriterien werden diese vergeben. Dazu wird es in den nächsten Wochen und Monaten intensive interne Diskussionen geben. Weg von der Einzelfallbetrachtung (die es in Krisen und Konflikten immer geben wird), hin zu einer strategischen Planung. In einer Expert/innenorganisation, wie sie die Universität darstellt, kein leichtes unterfangen. Zu eigen ist deren Kultur, als dass einfach Methoden der Personalentwicklung aus der Wirtschaft übernommen werden könnten, aber reizvoll.

Samstag, 17. November 2007

Ruhestand

Gestern wurde eine für die Uni ganz wichtige Persönlichkeit in den Ruhestand verabschiedet. Wie bei all solchen Ereignissen war es eine Mischung aus Dankbarkeit und Wehmut. Einer der Laudatoren hat es mit einer Trauerveranstaltung verglichen (spielt die Musik, gibt es was zu Essen, trauern manche wirklich und manche tun nur so und freuen sich heimlich etc.). Was mir ein wenig gefehlt hat und gerade weil ich B. Rathmayr so schätze, angebracht gewesen wäre, war doch auch die (Selbst-)Kritik. Mag sein, dass so ein Anlass nur schwer Platz für kritische Worte lässt, aber so überwog die Nostalgie der "Kellerkinder" und der glorreichen vergangenen Zeiten. Das mag für absolute Insider geldet, für partielle Weggefährten ist die Sicht doch auch eine etwas andere. Ich war in den 1980er Jahren eifriger und begeisterter Besucher von Bernhards Lehrveranstaltungen. Er praktizierte damals eine Art von Alltagsethnologie, die ich für mein Studium der Europäischen Ethnologie angemessen empfand. Später wurde daraus u.a. die seine Form der kritisch-historischen Anthropoligie und ich habe es damals, inzwischen an die Geschichte gewandert, sehr bedauert, dass es eigentlich keinen Austausch zwischen unseren Disziplinen gab. Als ich seinem Buch "Die Rückkehr der Gewalt" eine kritische Rezension widmete, entstand daraus eine für mich unschöne Geschichte. Der Meister wollte meine Kritik nicht verstehen oder nicht gelten lassen. Jedenfalls erwirkte er in der Zeitschrift, die mich zur Besprechung eingeladen hatte, eine Entgegnung, ohne dass ich davon informiert wurde und darauf erwidern konnte. So blieb ein schaler Eindruck zurück. Da es aber der einzige ist, den ich mitnehme, will ich diesen auch nicht überbewerten. Von Bernhard habe ich bei weitem mehr gelernt, auch in dem, was mich gestört hat, als von so vielen anderen. Wie es eine Studentin gesagt hat: er hat uns Denken gelernt. Dafür ein Danke!