Die Studierendenproteste sind ein Symptom der Entwicklungen an den österreichischen Universitäten. Sie sind berechtigt, als sie Unzulänglichkeiten in der Bildungspolitik aufzeigen. Sie sind irrational und widersprüchlich in ihren Forderungen. Sie verdienen es nicht, dass sie zynisch als "Spontiaktionen" abgekanzelt werden. Wer heute an eine Universität geht, tut dies aus vielerlei Gründen. Sie oder er investiert damit aber einen guten Teil ihrer/seiner Lebenszeit (4-9 Jahre), die nicht mehr pensionswirksam wird und kann aus heutiger Sicht auch nicht mehr fix damit rechnen, dass diese Investition sich in höheren Entgelten niederschlägt und damit die Pensionslücke kompensiert. Wiewohl ökonomische Gründe (hochbezahlter Job) oder Prestige (Titel) nicht zu den Hauptbeweggründen für die Aufnahme eines Studiums gehören. Letztendlich siind es doch der
Hunger nach Wissen, die Hoffnung, damit später im Arbeitsleben bessere Bedingungen vorzufinden sowie auch eine Art Gewohnheit (Jugendluche aus AkademikerInnenhaushalten ergreifen ungleich häufiger ein Studium, als solche aus bildungsfernen Schichten), die junge Menschen an die Hochschulen und Universitäten führen. Gefördert wurde dies durch die Kreiskysche Bildungs- und Universitätspolitik (Gymnasien in jedem Bezirk, Öffnung der Universitäten). Dies führte zu einem steten Anstieg der Studierendenzahlen (nur kurzfristig etwas gebremst durch die Einführung der Studienbeiträge Anfang des 21. Jahrhunderts). Heute werden wir bei 300.000 Studierenden an 21 Universitäten zu liegen kommen. Dabei ist der Zustrom der Studierenden von Fach zu Fach ungleich verteilt. Während einige wenige Fächer über kaum mehr bewältigbare Zahlen stöhnen (Publizistik, Psychologie, Betriebswirtschaftslehre oder Medizin, wo eine Zugangsregelung den Andrang gestoppt hat), würden sich andere Fächer durchaus noch über Zuwachs freuen (Latinistik, Gräzistik, einige naturwissenschaftliche Fächer wie Physik, Mathematik oder Chemie). Ist es daher "nur" eine Verteilungsfrage, die mittels Studienchecker gelöst werden kann? Oder bedarf es nicht einer grundlegenden Debatte und Neuorientierung, was eine österreichische tertiäre Bildungspolitik in einem europäischen Bildungsraum bedeuten kann? Und mit welchen Mitteln sie dies erreichen will?
Die österreichischen Grünen habe ein Projekt gestartet, mit dem sie Denkanstöße für den notwendigen Wandel geben wollen:
www.zukunftskongress.at. Darin findet sich (Absicht, sehen die Grünen hier keine Notwendigkeit eines Wandels?, Versehen oder was) keine Gedanken zur Zukunft der tertiären Bildung, auch nicht zur Forschung und Entwicklung. Österreich auch in Zukunft ein Land der Häuslbauer (wenngleich, grünkorrekt, als Passivhaus mit Solarzellen und Photovoltaik am Dach). Die Frage ist nur: woher kommt die Innovation zu diesen Denkanstößen und werden die nicht auch von den Studierenden hervorgebracht, die heute an den Universitäten lernen. Und was ist mit den Menschen, die trotz "freiem" Hochschulzugang nicht an die Universitäten kommen? Können wir es uns leisten, auf deren Ideen zu verzichten? Wäre doch Material genug für einen diesbezüglichen Arbeitskreis am 22.11.