Warum Sudelbuch?

In den "Sudelbüchern" - auch "Schmier-" oder "Gedankenbücher" genannt - notierte Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) seine seine Gedanken, Einfälle, Überlegungen und Kurzfragmente. Dieses Sudelbuch enthält ebenfalls Tagesaktuelles. Aufgelesen in meinem Beruf, meiner akademischen Tätigkeit sowie bei der täglichen Medienlektüre.

frühere Beiträge (Archiv)

Juli 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 

RSS Box

Konzertbesuchermode
Diese Fotogallerie der Süddeutschen hat besonders...
uliuli - Sa, 5. Jul, 12:28
Verbrecher oder Stütze der Gesellschaft?
Eigentlich wars ein unglücklicher Zufall. Ohne...
cc - Sa, 5. Jul, 11:06
Stream: Parenthetical Girls - Safe As Houses
Parenthetical Girls' Musik ist voller entwaffnend zarter...
uliuli - Sa, 5. Jul, 10:36

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 1119 Tagen
Zuletzt aktualisiert: Di, 1. Jul, 22:21

Web Counter-Modul

tertiaere Bildungspolitik

Samstag, 6. Oktober 2007

Angemessenes Entgelt

Was ist ein angemessenes Entgelt für eine Funktion im öffentlichen Bereich? In der Privatwirtschaft entscheidet (oft) der Marktwert. Wie schaut dies im öffentlichen Bereich aus? Was dürften RektorInnen verdienen? Die Debatte darüber begann mit der Einführung des UG 2002. Darin wird das Rektorat quasi als Vorstand einer Universität eingerichtet, mit einer/m Vorstandssprecher/in: der/dem Rektorin und weiteren Vorstandsmitgliedern: den Vizerektor/innen. Wie hoch sollen diese entlohnt werden? Die österreichische Neidgenossenschaft hat nie eine vernünftige Debatte darüber aufkommen lassen, sodass die bisherigen Rektorate teilweise dabei geschummelt haben. Da wurden Vizerekor/innen als nebenamtlich deklariert, obwohl es ein Full-time-Job ist. Damit konnten aber die Entgelte verschleidert werden, denn einzig die Funktionsgebühr dieser Personen ging in die Summe der Rektoratsentgelte ein (sowie das Entgelt des hauptamtlichen Rektors). Das Basisentgelt der Vizerektor/innen wurde den Instituten, aus denen sie stammen, zugeschlagen.
Vor Jahren gab es auch eine Debatte darüber, was Politiker/innen verdienen dürfen. Daraus entstanden ist die so genannte Gehaltspyramide für Politiker/innen. Sie legt fest, wer was verdient und wie die Relationen zwischen den Ämtern und Funktionen aussehen. An der Spitze dieser Gehaltspyramide fungiert der Bundespräsident. Einzelne Rektoren österreichischer Universitäten verdienen aber mehr als der Bundespräsident. Das kann man angemessen finden, wenn mit privatwirtschaftlichen Maßstäben gemessen wird (der Mann/die Frau ist das Wert), hat aber einen schalen Beigeschmack, wenn es um öffentliche Gelder geht. Und aus solchen werden die Universitäten immer noch großteils finanziert. Außerdem ist das innere Gefüge an den Universitäten zuberücksichtigten. Zahlreiche Kolleg/innen verdienen unter 2.000,- €/brutto für 40 Wochenstunde Arbeit. Ist es da vertretbar, dass der Rektor mehr als das 10fache bekommt. Das frühere Rektorat hat eine Debatte darüber vermieden. Über Entgelte spricht man in Österreich nicht (im Gegensatz etwa zur ach so kapitalistischen USA). Von Skandinavien gar nicht zu sprechen. Leistung soll angemessen bezahlt werden. Ein Geheimnis muss aber deshalb darum auch nicht gemacht werden.

Samstag, 22. September 2007

BM Hahn spricht

Wissenschaftsminister Hahn hat die letzten Tage mit einigen Aussagen über die Universitäten aufhorchen lassen. Einerseits will er die didaktisch-pädagogische Ausbildung der Uni-Lehrenden verbessert haben: "Ehrlich gesagt: Wenn nicht spannend vorgetragen wird, kann die Grundleidenschaft noch so hoch sein, da sinkt das Interesse rapid" philosophiert er offenbar in der neuen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "trend" so vor sich hin. Bin schon mal gespannt auf das gesamte Interview. Mit solchen Pauschalierungen ist der Sache meist wenig geholfen.
Außerdem wünscht er sich auch während es Sommers Unterricht, vor allem dort, wo es überfüllte Studienfächer gibt. Praxisnah ist dies nicht. Einmal abgesehen davon, dass rund 50 Prozent der Studierenden arbeiten müssen, um sich ihr Studium zu verdienen, daher im Sommer gar keine Kurse besuchen können, sind die Hörsäle - zumindest an meiner Universität - im Sommer mit Austauschkursen belegt. Und der September ist traditionell der Tagungs- und Kongressmonat. Beides möchte ich auch nicht missen.
Hahn plädierte auch für eine gemeinsame Ausbildung der Hauptschul- und AHS-UnterstufenlehrerInnen. Schade, dass seine Vorgängerin mit ihrem Modell der Pädagogischen Hochschulen, eine gemeinsame Ausbildung aller LehrerInnen verhindert hat. Vielleicht deshalb legt sich Hahn auch nicht fest, wo den die universitäre Ausbildung der Grund- bzw. Unterstufe erfolgen soll. Noch wäre Zeit, die Universitäten und die Pädagigischen Hochschulen zusammenzuführen, um eine einheitliche Ausbildung zu ermöglichen. Die künftigen LehrerInnen würden's danken.

Montag, 4. Juni 2007

Nicht mehr angetreten

Der Rektor der Universität Innsbruck, Manfried Gantner, ist also zur zweiten Runde der Rektorswahlen nicht mehr angetreten. Damit macht er den Weg frei für eine einen neuen Rektor. Das ringt Respekt ab. Allerdings war Gantner über acht Jahre an der Lenkung der Geschicke der Universität Innsbruck beteiligt, davond die letzten vier Jahre als Rektor mit umfassender Allmacht. Trotzdem ist es ihm nie gelungen, seine Vorstellung unter die Menschen zu bringen. Zuerst gefürchtet, wurde bald schon klar, dass er gar nicht so mächtig war, als er sich gab. Daher klingt es fast wie ein Hohn, dass der Landeshauptmann nun bedauert, dass Gantner nicht mehr antritt. Van Staa war es, der Gantner ja in zwei seiner größten Niederlagen gehußt hatte: die Gründung einer Kunstfakultät sowie die Beteiligung an der UMIT. Beides Vorhaben wurden dem Landeshauptmann politisch zu heiß und er ließ sie fallen. Damit auch Gantner, der nun die Suppe dafür auslöffeln darf. Ob er wirklich Berater des Landes wird, wird sich weisen. Der Landeshauptmann erwies sich jedenfalls bislang als notorisch beratungsresistent.

Mittwoch, 31. Januar 2007

Da ist was los II

Es ist schon interessant, welche Kräfte frei werden, wenn gegen etwas protestiert wird. Nicht immer gelingt es, diese Kräfte nicht nur destruktiv einzusetzen. Ein Beispiel, wo dies zu gelingen scheint, ist der Protest der Studierenden am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck gegen eine geplante Übersiedelung. Hier wird Kreativität freigesetzt und zwar nicht destruktiv, sondern konstruktiv. Nicht alle ihre Argumente mögen einer strengen Prüfung stand halten, aber es verdienen diese allein, sich mit ihnen ernsthaft auseinanderzusetzen. Ob und wie das geschieht, wird sich zeigen. Momentan ist es einfach vergnüglich, ihre Öffentlichkeitsarbeit anzusehen. Die Videos der Rektoratsbesetzung sind ein Beispiel von Zivilcourage und zeugen auch von einem elaborierten Umgang mit den Medien Protest, Demonstration und Massenagitation. Einfach ansehen auf You Tube.

Dienstag, 30. Januar 2007

Da ist was los

Es ist was los, derzeit an der Universität Innsbruck. Seit das Rektorat über die Medien verkündet hat, dass zwei Institute vorübergehend an den östlichen Stadtrand umgesiedelt werden sollen, wehren sich zumindest die Studierenden und Lehrenden eines der beiden Institute heftig. Mit äußerst kreativen und effiziente Aktionen wurde rasch eine inneruniversitäre, aber auch eine allgemeine Öffentlichkeit auf das Ansinnen aufmerksam gemacht. Kein leichtes Unterfangen, bei einem Rektorat, das sich die wesentlichen Medien "gekauft" hat. Aber Kreativität und Spontanität siegt allemal über die blanke Macht des Geldes.
Heute war wieder so eine Aktion angesagt. Sie fand als stummer Protest zahlreicher schwarz gekleideter Studierender vor dem Senatssitzungssaal statt, in dem die Beratung des Rektorates mit den Betriebsräten angesetzt war. Auch drinnen ging es mächtig zur Sache. Es stellte sich heraus, dass das Rektorat wirklich ohne umfassende Planungsgrundlage ein Gebäude angemietet hat, das sicher besser als so manches Institut ausgestattet ist, aber das damit nicht von vorneherein als Ausweichquartier für die davon betroffenen Institute geeignet sein muss. Wie sich der Rektor selber lobte, wie er aber auch sehen mußte, dass es Rechte des Betriebsrates (Mitwirkung bei Versetzungen nach § 101 ArbVG) gibt, über die er nicht so ohne weiters hinweggehen kann, war schon bemerkenswert.
Die Art wie hier eine Angelegenheit angegangen wurde und wird, wäre es wert, in einem Lehrbuch dargestellt zu werden. "Wie ich es schaffe, alle gegen mich aufzubringen und trotzdem davon überzeugt bin, das Beste zu tun."

Mittwoch, 10. Januar 2007

Wer hat uns verraten? (1 Tag vor Angelobung der neuen Bundesregierung)

Die Studierenden sind mit Recht entsetzt. Darüber, dass ihnen eine X für ein U verkauft wird. Die nun angedachte "Lösung" zur Abschaffung der Studienbeiträge ist eine "faule" Ausrede. Es geht nicht um Kommunitarisums, mag schon sein, dass in Israel und anderso wo, solche Konzepte funktionieren und es ist auch ein solidarischer Gedanke, solches zu verlangen, wie Gusenbauer zur Verteidigung meinte, aber dann hätte die SPÖ das vorher so sagen sollen.
Es sollten aber auch einige derjenigen nicht übersehen, die sich nun in den Protestschrei der Studierendenvertreter einklinken, dass bei ihnen der Verdacht besteht, dass der Schrei auch deshalb so laut ausfällt, weil sich da manche auch selber angeschwindelt, indem sie daran geglaubt haben, die Studienbeiträge wären so leicht ersatzlos zu streichen.
Es schade, dass Verhandler nun nicht einfach sagen, dass sie oder der Koalitionspartner oder beide nicht bereit waren, die 125 Millionen Euro in die Hand zu nehmen [bzw. bei anderen Ausgaben einzusparen, ev. bei den Straßenbauten (4,5 Mrd. Euro) oder dem Schienenausbau (6 Mird. Euro)], die die Abschaffung der Studienbeiträge kosten und den Universitäten zu kompensieren wären. Immerhin tragen die Studienbeiträge, ob man/frau sie nun für vernünftig hält oder nicht, 5 bis 7 % zum jährlichen Budget der Universitäten bei.
Ansonsten enthält das Regierungsprogramm im Bereich Universitäten einige durchaus vernünftigte Forderungen. Die Frage ist nur, ob der Wille und die finanziellen Mittel vorhanden sind, das alles umzusetzen. Zum Beispiel:
- Wiedereinführung der Mitbestimmung an den Universitäten
- Neuorganisation der Kompetenzen in den Gremien
- 1000 zusätzliche Stellen für junge Wissenschaftler/innen
- eine 3. Tranche an Vorziehprofessuren
- und als eine der wichtigsten Forderungen, ein Kulturbruch quasi, eine einheitliche Universitätslehrer/innenkurie ab dem Doktorat (oder anders gesagt, die Abschaffung der Professorenkurie)!
Es bedarf viel Sitzfleisch, das umzusetzen. Die Universitäten läßt das Regierungsprogramm hoffen und den Leuten (nicht allen Studierenden) gibt es Mut, dass es dort wieder besser wird.

Samstag, 6. Januar 2007

2 Jahre aussetzen (97 Tage nach der NR-Wahl)

Für 2 Jahre will der selbsternannte Mister UG02 und noch immer eingetragenes SPÖ-Mitglied, S. Höllinger, die Einhebung der Studienbeiträge aussetzen. Danach, so seine Begründung dafür, würde die Universitätsreform greifen und die Studierenden sehen, dass alles besser geworden ist und daher die Beiträge willig zahlen! Ein guter Witz. Wo lebt dieser Mann eigentlich? Mit wem spricht er? Für ihn ist eine Universitätsreform wohl dann abgeschlossen, wenn das Parlament ein (sein?) Gesetz verabschiedet hat.
Die Realität ist: Die Universitäten sind nach wie vor arg unterdotiert. Bei den soeben abgeschlossenen Leistungsvereinbarungsverhandlungen für die Jahre 2007 bis 2009 haben die Unversitäten gerade mal im Schnitt die Inflationsabgeltung zusätzlich erhalten. Die dringende Sanierung der Gebäude ist auf Jahre hinausgeschoben und wird kaum ohne zusätzliches Geld bewältigbar sein. Das hat auch die noch immer im Amt befindliche Bundesregierung eingesehen, sonst hätte sie der neuen Regierung nicht die Hypothek von 500 Millionen Euro für die Unversitäten mitgegeben. Nur, die werden bloß zur Behebung der dringendsten Mängel reichen.
Zu aller Not werden in zwei Jahren auch die neuen Studien beginnen und in Deutschland gibt es ja schon Absetzbewegungen von den teilweise unsinnigen Bakklaureatsstudien. Das alles negiert der Herr Sektionschef a.D. oder er weiß es und behauptet wider besseren Wissens etwas anderes.
Nicht besonders beruhigend ist auch, dass die SPÖ anscheinend in der neuen Regierung das Wissenschaftsministerium an die ÖVP abgibt. Sie will das bisherige Ministerium teilen (wofür es gute Gründe gibt, genau so gute aber, die beiden Agenden beisammen zu behalten) und den Bildungs- sprich Schulbereich behalten. Die ÖVP soll dann die Wissenschaft mitsamt der Forschung bekommen. Die Führung des Wissenschaftsministerium ist der SPÖ offenbar nicht so wichtig. Warum wohl? Weil sie niemand geeigneten hat, die oder das Ministerium führen könnte oder weil, sie nicht will, das bestimmte Personen das Ministerium leiten? Übrigens sind im Mai dieses Jahres die nächsten ÖH-Wahlen und die roten Studentenvertreter sind dort derzeit in einer Koalition mit den Grünen. Wird ein spannender Wahlk(r)ampf.

Mittwoch, 3. Januar 2007

Lob den „Bummelstudenten“

Ob Alfred Gusenbauer wohl bewusst war, was er da mit seinem Diktum, „wer bummelt, soll zahlen“, ausgelöst hat? Vermutlich wollte er nur einen gangbaren Ausweg für ein Wahlversprechen suchen, das, bar einer parlamentarischen Mehrheit dafür, derzeit von der SPÖ so nicht erfüllt werden kann (übrigens auch nicht von den Grünen, die nun hämisch auf die Roten zeigen, wohl wissend, dass es auch ihnen in einer Koalition mit den Schwarzen vermutlich nicht möglich gewesen wäre, die Studienbeiträge ersatzlos abzuschaffen). Und nun ertönt das Lob auf die „Bummelstudenten“ (Irre ich mich, oder wird dieses Wort dabei hauptsächlich in seiner maskulinen Form gebraucht? Zufall oder ist „bummeln“ doch eher eine männliche Attitüde?). Sie seien Ausdruck einer ganz anderen, nicht der reinen Wirtschaftlichkeit, sondern der Wissenschaftlichkeit verpflichteten Universität (so die Tiroler Grüne Bundesrätin und ehemalige ÖH-Vorsitzende Eva Konrad). Der Innsbrucker Universitätsprofessor Josef Aigner bekräftigt sein einstiges „Lob der Bummelstudenten“, denen er damit pauschal eine wichtige Phase in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zugesteht. Zwar ist es Realität von Absolventinnen und Absolventen österreichischer Universitäten, dass 90 Prozent (!), aufgrund ihrer persönlichen Situation (Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Studium) oder struktureller Bedingungen des Studiums (Betreuungsverhältnis; mangelnde Praktikumsplätze; überfrachtete Studienpläne), länger als die gesetzlich vorgesehene Mindeststudiendauer für ihren Abschluss benötigen; knapp ein Drittel schafft einen Abschluss innerhalb von zwei Toleranzsemestern. Aber immerhin schließen diese „bummelnden“ Studierenden irgendwann ihr Studium ab. Aufregung sollte jedoch hervorrufen, dass ein Drittel, ja in manchen Fachrichtungen sogar über die Hälfte der Studierenden, ihr Studium ohne Abschluss abbricht. Darüber sollte diskutiert und muss nach Strategien gesucht werden, dies einzudämmen. Zwar mag auch ein nicht abgeschlossenes Studium unter dem Stichwort „Lebensbildung“ und „Wissensvermehrung“ verbucht werden können, es zeigt aber das Dilemma auf, in dem das österreichische tertiäre Bildungssystem steckt. Die Schnittstellen zwischen den mittleren und den Hochschulen scheinen immer noch unzureichend ausgebildet zu sein. Warum beginnen junge Menschen ein Studium, ohne genau zu wissen warum und wozu? Wieso bietet die bereits vor Jahren eingeführte Studieneingangsphase hierbei kaum eine wirkliche Orientierung? Warum studieren viele jungen Menschen in Fächern, die sehr schlechte Betreuungsverhältnisse aufweisen und kaum Chancen bieten, in diesem Metier beruflich zu reüssieren. Wieso kreieren wir immer wieder Modestudien, um dann entsetzt festzustellen, dass diese überlaufen sind. Leider hat es die von der Regierung vielfach gelobte und von den Betroffenen weitgehend abgelehnte Universitätsreform verabsäumt, darüber eine Debatte in Gang zu setzen, wie eine österreichische Universitäts- und Fachhochschullandschaft in einem im Umbruch befindlichen europäische Hochschulraum funktionieren kann. Durch die Ausgliederung der Universitäten wurden diese zwar in eine Gestaltungsautonomie entlassen, ohne ihnen jedoch dafür die dazu notwendigen hochschulpolitische Leitlinien mitzugeben: Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem staatlich garantierten „freien Hochschulzugang“ bei gedeckelten Budgets? Welche Studien und Fachrichtungen sollen heute und in näherer Zukunft in Österreich in welcher Anzahl und auf welchem Niveau angeboten werden? Ist das Modell einer lehrenden UND forschenden Universität heute noch sinnvoll, mach- und leistbar. Nicht zuletzt hätten die so eben geführten Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten dazu Anlass geboten. Es ist schon klar, dass solche Debatten während laufender Umgestaltungsprozesse nur schwer zu führen sind, aber sie erscheinen mir allemal sinnvoller, als die Vergangenheitsbeschwörung des Lobliedes auf den „Bummelstudenten“, die in nicht geringem Ausmaß auch dem Narzissmus ihrer Proponenten geschuldet zu sein scheint.

Montag, 17. Juli 2006

Sommerloch

Vom Sommerloch, auch Saure-Gurken-Zeit genannt, ist dieses Jahr nichts zu spüren. Bei uns an der Innsbrucker Universität geht's jedenfalls drunter und drüber. Zu allem Abschluss ist auch noch die Vizerektorin für Lehre und Studierende zurückgetreten. Sie will wieder zurück in die Forschung, so die offizielle Verlautbarung. Schon eigenartig, dass vor nicht allzu langer Zeit gerade die Ersatzprofessur für die Frau Vizerektorin besetzt wurde. Ob der Abgang mit "Wehmut" gar doch nicht so freiwillig geschehen ist? Ihre Position übernimmt nun der Rektor. Dies, obwohl in § 8 der Satzung der Universität Innsbruck klar geregelt ist, dass bei Abwesenheit der Vizerektorin für Lehre und Studierende sie der Vizerektor für Forschung vertritt. Ein Schelm, wer sich da was Ungereimtes denkt.

Samstag, 3. Dezember 2005

Forever young

Auch das noch, im heutigen Standard wird den Grünen von einer Jungpolitikerin und einem Jungpolitiker auch noch eine Jugenddebatte verpaßt. Es geht den Berufsjugendlichen aber nicht so sehr um eine andere Jugendpolitik (Arbeits- und Ausbildungsplätze, konsumfreie Räume für Jugendliche), sondern um eine Gesinnungsprüfung in punkto Jugendlichkeit (dabei lief das "Rettet die Wale"-Album von Eva Jantschitsch bei mir schon im Frühjahr am CD-Player). Wenn das die Sorgen der Plattform Grüne Jugend sind, dann möchte ich - 44 Jahre - gerne diese Sorgen haben.
Natürlich enthält der Beitrag auch was richtiges und wichtiges: unrealistische Ziele und Vorstellungen bei den Grünen kommen ins Gerede. Manche Sesselkleber, wobei mir die geistigen noch unliebsamer sind, als die physischen geraten ins Grübeln. Ob ihre Sessel damit ins Wanken gebracht werden können, wage ich zu bezweifeln. Da hilft nur: AB IN DIE REGIERUNG. Beim Regieren hat sich noch jede Partei innerhalb weniger Jahren erneuert/erneuern müssen. Da sind umsetzbare Konzepte und Idee gefragt und nicht Befindlichkeiten. Da schleifen sich überzogene Vorstellungen rasch ab. Da trennt sich rasch die Spreu vom Weizen und wer nicht herunter kommt, von seinen Idealen, der fällt mitunter unsaft auf den Boden.