Schon interessant. Nun will es keiner mehr gewesen sein. Alle (ehemaligen) Beteiligten scheinen sich vom Bologna-Prozess zu distanzieren: der Altrektor im besetzen Hörsaal meint, dass dies ganz anderes gedacht gewesen sein als nun gekommen; Uniräte waren schon immer skeptisch; Kolleginnen und Kollegen, die in den Curriculumskommissionen saßen (übrigens mit einem Viertel an Studierenden, was haben die dort gemacht?), sind nun plötzlich skeptisch darüber, was sie da gemacht haben. Ich kann mich noch an eine Info-Veranstaltung bei uns am Institut erinnern, als ich meine KollegInnen, zugegeben etwa provokant, gefragt hatte: ob sie nach diesem Studienplan nun selber nochmals studieren wollten. Das geht nun nicht mehr, das können wir nicht mehr änderen. Beim nächsten Mal vielleicht, waren die Antworten. Ev. kommt dieses nächste Mal rascher als manchen lieb ist. Und Geschwindigkeit war ja das Leitmotto bei der Einführung der neuen Studiengliederung.
Der Studierendenprotest scheint sich am Scheideweg zu befinden. Während in Deutschland die Besetzungen unerwartet rasch und rigide beendet wurden, scheinen in Österreich immer mehr Trittbrettfahrer den Studierenden ihre (zum Teil rein eigennützigen) Forderungen umzuhängen und diese somit völlig verwaschen zu werden und keinen Adressaten mehr zu haben, ist es immer noch unklar, ob die BesetzerInnen sich Verhandlungen stellen wollen. Dafür bräuchten sie aber ein Verhandlungsmandat (denn dieses hat derzeit nur die gewählte ÖH-Exekutive). Zuvor müsste aber klar sein, ob und was zu verhandeln ist. Dazu ist dann aber auch Kompromißbereitschaft notwendig. Statt dessen beschäfigen sich die Gruppen mit immer mehr und immer neuen Forderungen, sozialen Utopien und Gesellschaftsentwürfen. Alles gut und recht, aber das wir nicht zu einem Ergebnis führen. Wenn der Prozess der Weg ist, wären die BesetzerInnen gut beraten, andere Wege zu suchen.
Derzeit artikulieren sich in Innsbruck 2 Lager beim Studierendenprotest. Es sind nicht die Linken gegen die Rechten, die hier antreten. Es sind 2 unterschiedloche Politikverständnisse: representatives versus basisdemokratisches. Die gesetzlich bestimmte und representativ gewählte ÖH muss um ihre Legitimation als Interessenvertretung der Studierenden bangen. Diese Diskussion ist notwendig und zu führen. Sie wird - früher oder später - auch anderen Repräsentativgremien gestellt werden (Gemeinden?). Ob sich da eine neue politische Bewegung von unten artikuliert?
raus bist Du, heißt es im Sprichwort. Das gilt allgemein auch für die Politik. Wer (zu früh) als Nachfolger/in genannt wird, wird es meist nicht. Insofern werden die genannten Rektoren, Politiker/innen und sonstigen Adabeis vermutlich nicht Nachfolger des Nach Brüssel enteilenden Bundesministers. Wer's wird, wir werden's noch sehen. Hoffentlich trifft dann nicht ein weiteres Sprichwort zu: Es kommt selten etwas besseres nach.
Der Sprecher der Studierenden hat heute in der ZIB2 kein gutes Bild gemacht. Nur Parolen schwingen und auf die Weltrevolution hoffen, ist zu wenig. Da sollte die Alternativvorlesung gleich mal eine Medienschulung beinhalten. Gute Referentinnen dazu gibt es ja.
wome - Mi, 28. Okt, 22:51
Das ging überraschend (für Insider offenbar nicht und vermutlich hat der BM schon bei seinem Auftritt in der Pressestunde von seiner Exitstrategie gewußt): BM Hahn wird als EU-Kommissar Österreichs nominiert. Mal abzuwarten, welches Amt er dort zugesprochen erhält. Die gewichtigen Ämter (wie Agrar) sind wohl schon besetzt, auch Wissenschaft ist schon vergeben. Bleibt die Bildung und die ist weitgehend national orientiert.
Wer heute die Livestreams gehört bzw. nachgehört hat, musste erstaunt hören, dass manche der ReferentInnen ganz schön dozieren. Am Abend dann Agitprop pur. Da treten die einfachen Arbeitervertreter aus der AK auf und bedanken sich zunächst feundlich bei den Studierenden für den Protest, um diese dann ganz unverschämt für ihre Ziele einzunehmen. Weltrevolution darf das Ding ja nicht mehr genannt werden, dann halt Kampf gegen den Neoliberalismus.
Was mich aber am meisten wundert: das, wogegen hier protestiert wird (Verschulung der Unis durch Bolognia, Ausverkauf der Unis, Trend zur Ausbildung statt Bildung etc.), ist schon Jahre auf Schiene und wird und wurde schon seit Jahren kritisiert. Warum wird das jetzt erst protestwirksam?
wome - Di, 27. Okt, 22:33