Warum Sudelbuch?

In den "Sudelbüchern" - auch "Schmier-" oder "Gedankenbücher" genannt - notierte Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) seine Gedanken, Einfälle, Überlegungen und Kurzfragmente. Dieses Sudelbuch enthält ebenfalls Tagesaktuelles. Aufgelesen in meinem Beruf, meiner akademischen Tätigkeit sowie bei der täglichen Medienlektüre.

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Salecina

Sonntag, 14. Juni 2009

Wertebild Österreichs

  • 29 % Ichbezogene Autoritäre, jeder 2. F-Sympathisant fällt in diese Kategorie,
  • 18 % Enttäuschte Pragmatiker, hier versammeln sich SP- und BZÖ-Sympathisanten,
  • 27 % Familienbezogene Konservative,
wo sind die Österreicher/innen, die noch offen für eine "andere" Politik sind?
  • 13 % Brave Bürger sowie
  • 13 % Liberale Idealisten
sind definitv zu wenig. Das sollte manchen Parteien zu denken geben.
(Quelle: profil 25/2009)

Sonntag, 7. Juni 2009

Österreich hat gewählt und

  • die FPÖ in die Schranken verwiesen. Rechtspopulismus hat auch seine Grenzen.
  • mit der Wahl von HP Martin gezeigt, dass es am EU-Parlament eigentlich wenig Interesse hat, denn dort spielt Martin so gut wie keine Rolle
  • die SPÖ in ein Dilemma geschickt. Die ältere Generation, die die SPÖ sonst immer wählt, hat an einer EU-Wahl wenig Interesse; Junge kann sie offenbar nicht mehr anziehen.
  • die Grünen noch einmal mit einem blauen Auge davon kommen lassen. Das wird sich aber mittelfristig noch rächen, denn damit ist die Krise prolongiert.
  • das BZÖ offenbar eine Abfuhr erteilt. Damit ist der Haider-Spuk wohl Geschichte.
  • mehrheitlich zum Ausdruck gebracht, dass sie an EU-Wahlen wenig interessiert sind, denn sonst wären mehr zur Wahl gegangen.

Samstag, 30. Mai 2009

Wähle Dein Europa

Ein witzig und gut gemachte Kampagne des ÖGB als Aufruf zur Europawahl. Wer mitmachen will hier. Nur, wen man wählen soll, das sagt der Spot einem (leider) nicht. Hier gilt schon eher das Diktum von Christian Rainer im heutigen profil: Hingehen - und zwei Parteien nicht wählen!

Sonntag, 24. Mai 2009

Horses

Will Oldham überrascht immer wieder. So auch auf diesem Video. Ohne, dass ein Pferd ins Bild kommt, singt er über Horses. Das Video zeigt ein anderes Amerika, zeigt aber auch, dass es Oldham versteht, zu zeigen, wo sein Herz schlägt. Und die Zeile: Everybody needs an angel / but here's that devil by my side steht für sich. Grandios.



I'd be riding horses if they let me
sleep outside at night and not take fright
I would ride the reigns and never worry
I would disappear into the night

Everybody needs an angel
but here's that devil by my side
Death's head ring upon his finger
Poor boy hanging on the light

They'll be drawing straws inside the courtroom
as the suns twilight turns to black
Torches burn into the sad eyes
on the wrong side of the track
make those horses jump through hoops of flames
They won't kick and they won't scream
Let the good lord do the driving
Poor boy sinking in the stream

I can smell the campfires burning
but I'll go out walking on my own
By day and night the world keeps turning
frightened people hiding in their homes


Original von Sally Timms, 1988, auf ihrem Solo Album Somebody's Rockin' My Dreamboat.

Donnerstag, 21. Mai 2009

R I P

Kuechenschelle-am-Blaser Heute hätte sie Geburtstag gefeiert, ihren 53. Wir hatten schon alles geplant, am Wochenende wollten wir uns alle (noch einmal) treffen. Bei uns, wohin sie schon seit vier Jahren kommen wollte. Immer wieder aufgeschoben, aber es wird schon mal klappen. Letzten Mittwoch ist sie nochmals in die Klinik gegangen, sich wieder "aufzupäppeln", damit sie fit wird, für den Besuch. Den Opa wollte sie auch mitbringen. Alles war vereinbart. Endlich sollte es klappen. Gestern haben wir sie begraben. Einen Tag vor ihrem 53. Geburtstag. Schon seit längerer Zeit wusste sie um ihre Krankheit, die eine tödliche war. Überlebenschance 1 zu 10. Trotzdem willigte sie der Therapie ein. Was wäre ihr auch anderes übriggeblieben. Sie hoffe, damit den Tod noch eine Weile hinausschieben zu können. Hatte noch Pläne, auch für danach. Wollte den Vater, den sie nun 17 Jahre gepflegt hatte, nicht allein zurücklassen. Fügte sich in die Pension, gab ihre Arbeit auf. Verzichtete auf so vieles. Fragte immer wieder warum. Warum gerade ich? Lungenkrebs, unheilbar. Nur aufschiebbar. Wie lange? Kein Jahr ist vergangen, seit sie von ihrer Krankheit erfahren hatte. Mehr aus Zufall, offenbar zu spät. Tapfer hat sie die Chemo geschluckt, dann die Tabletten. Hatte gehofft, gezweifelt, gehadert. Am Samstag ist sie entschlafen. Im Kreis ihrer Familie. Meine Tante. Fünf Jahre trennen uns. Wie oft haben wir darüber gescherzt, dass unser Altersunterschied immer geringer werde, irgendwann würde ich sie dann wohl im Alter einholen. Nun ist sie davon gegangen. Vor einem Monat haben wir zum letzten Mal miteinander telefoniert. Dann nicht mehr, weil sie ja eh kommen wollte. Wie schade. Was hätte ich ihr gesagt? Sicherlich nicht den Satz, den ich ihr nun im Trauerbuch gewidmet habe. Ein Satz von Thomas Bernhard: Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt. Sicherlich: Ich habe Dich lieb.